Was in einer Heizung mit Leitungswasser passiert
Leitungswasser ist Trinkwasser und als solches hervorragend, als Betriebsmittel in einer Heizungsanlage ist es aber ungeeignet. Es enthält gelöste Härtebildner, vor allem Calcium und Magnesium, und Sauerstoff. Beim Aufheizen fällt die Härte aus und lagert sich genau dort ab, wo es am heißesten ist, also auf den Wärmeübertragerflächen. Schon wenige Millimeter Belag verschlechtern die Wärmeübertragung spürbar, die Anlage muss länger laufen, um dieselbe Wärme in die Räume zu bringen. Parallel greift der gelöste Sauerstoff die Metalle im Kreislauf an. Aus der Korrosion entsteht Magnetit, ein feiner schwarzer Schlamm, der sich in Ventilen, Pumpen und in den unteren Bereichen der Heizkörper sammelt. Beides zusammen erklärt, warum eine Anlage nach Jahren mehr verbraucht als am Anfang, ohne dass jemand etwas verstellt hätte.
Was die VDI 2035 fordert
Die Richtlinie beschreibt zwei Wege, die salzarme und die salzhaltige Fahrweise. In der Praxis hat sich die salzarme durchgesetzt, weil sie die Korrosion am wirksamsten unterbindet. Dafür wird dem Heizungswasser über eine Vollentsalzung praktisch alles entzogen, was elektrisch leitfähig ist. Die elektrische Leitfähigkeit soll dann unter 100 Mikrosiemens pro Zentimeter liegen. Der pH-Wert gehört in den leicht alkalischen Bereich zwischen 8,2 und 10,0, damit sich auf den Metalloberflächen eine schützende Deckschicht bildet. Sind Bauteile aus Aluminium verbaut, gilt ein engerer Bereich bis 9,0, weil Aluminium bei höheren pH-Werten selbst angegriffen wird. Für die Gesamthärte gibt es keinen einzelnen Wert, sondern eine Staffel: Je größer die Anlage und je mehr Wasser sie pro Kilowatt Heizleistung enthält, desto weniger Härte ist zulässig. Bei kleinen Anlagen unter 50 Kilowatt sind bis zu 16,8 Grad deutscher Härte möglich, bei großen Anlagen sinkt der zulässige Wert bis unter 0,11 Grad.
Warum das bei Wärmepumpen besonders wichtig ist
Eine Gasheizung arbeitet mit hohen Vorlauftemperaturen und verzeiht einen Belag auf dem Wärmetauscher eine Weile, weil genug Temperaturreserve da ist. Eine Wärmepumpe hat diese Reserve nicht. Sie ist darauf ausgelegt, mit kleinen Temperaturdifferenzen zu arbeiten, jedes Zehntelgrad Verlust an der Übertragungsfläche schlägt direkt auf die Jahresarbeitszahl und damit auf die Stromrechnung durch. Dazu kommen die Plattenwärmetauscher moderner Anlagen mit ihren engen Kanälen, in denen sich Magnetit besonders leicht festsetzt. Deshalb setzen die meisten Wärmepumpenhersteller die Einhaltung der VDI 2035 inzwischen als Bedingung für ihre Gewährleistung voraus und verlangen einen dokumentierten Nachweis. Wer eine Wärmepumpe einbauen lässt und das Heizungswasser dabei nicht aufbereitet, spart am falschen Ende.
Woran Sie ein Problem erkennen
Ein sicheres Urteil erlaubt nur die Messung, es gibt aber Anzeichen, die aufhorchen lassen sollten. Der Verbrauch steigt über die Jahre, ohne dass sich am Haus oder am Heizverhalten etwas geändert hat. Einzelne Heizkörper werden oben warm und unten kalt oder gluckern. Die Anlage verliert regelmäßig Druck und muss nachgefüllt werden, wobei jedes Nachfüllen mit Leitungswasser neue Härte und neuen Sauerstoff einträgt und das Problem verstärkt. Die Umwälzpumpe blockiert häufiger oder läuft laut. Und ein sehr direktes Zeichen: Wenn beim Entlüften dunkles, trübes Wasser austritt statt klarem, ist Magnetit im Kreislauf.
Wie die Aufbereitung praktisch abläuft
Wir entnehmen zunächst eine Probe und messen Leitfähigkeit, pH-Wert und Härte, dazu erfassen wir Anlagenvolumen und Heizleistung, weil sich daraus die zulässige Härte ergibt. Liegen die Werte außerhalb, wird das Heizungswasser über eine Vollentsalzungspatrone im Kreislauf gefahren, bis die Leitfähigkeit stimmt, anschließend wird der pH-Wert stabilisiert. Das geschieht im laufenden Betrieb, Bauteile müssen dafür nicht ausgebaut werden, und bei einem Einfamilienhaus ist es in der Regel an einem Termin erledigt. Die Werte kommen ins Anlagenbuch, damit Sie im Garantiefall einen Nachweis haben. Bei jeder Folgewartung messen wir nach, denn nachgefülltes Wasser und langsam ablaufende chemische Prozesse verschieben die Werte über die Jahre wieder.
Passende Leistung
Wartung & Heizungswasser →Jährliche Wartung für Heizung, Wärmepumpe und Klimaanlage, auf Wunsch mit Heizungswasser-Aufbereitung nach VDI 2035.



