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Muss das Heizungswasser nach VDI 2035 aufbereitet werden?

In den meisten Fällen ja. Die VDI 2035 legt fest, wie Heizungswasser beschaffen sein muss, damit weder Kalkstein noch Korrosion entstehen. Viele Hersteller machen die Einhaltung inzwischen zur Bedingung für ihre Gewährleistung, bei Wärmepumpen fast durchgängig. Geprüft wird über eine Wasserprobe, aufbereitet wird im laufenden Betrieb.

WartungStand 27. Juli 2026

Was in einer Heizung mit Leitungswasser passiert

Leitungswasser ist Trinkwasser und als solches hervorragend, als Betriebsmittel in einer Heizungsanlage ist es aber ungeeignet. Es enthält gelöste Härtebildner, vor allem Calcium und Magnesium, und Sauerstoff. Beim Aufheizen fällt die Härte aus und lagert sich genau dort ab, wo es am heißesten ist, also auf den Wärmeübertragerflächen. Schon wenige Millimeter Belag verschlechtern die Wärmeübertragung spürbar, die Anlage muss länger laufen, um dieselbe Wärme in die Räume zu bringen. Parallel greift der gelöste Sauerstoff die Metalle im Kreislauf an. Aus der Korrosion entsteht Magnetit, ein feiner schwarzer Schlamm, der sich in Ventilen, Pumpen und in den unteren Bereichen der Heizkörper sammelt. Beides zusammen erklärt, warum eine Anlage nach Jahren mehr verbraucht als am Anfang, ohne dass jemand etwas verstellt hätte.

Was die VDI 2035 fordert

Die Richtlinie beschreibt zwei Wege, die salzarme und die salzhaltige Fahrweise. In der Praxis hat sich die salzarme durchgesetzt, weil sie die Korrosion am wirksamsten unterbindet. Dafür wird dem Heizungswasser über eine Vollentsalzung praktisch alles entzogen, was elektrisch leitfähig ist. Die elektrische Leitfähigkeit soll dann unter 100 Mikrosiemens pro Zentimeter liegen. Der pH-Wert gehört in den leicht alkalischen Bereich zwischen 8,2 und 10,0, damit sich auf den Metalloberflächen eine schützende Deckschicht bildet. Sind Bauteile aus Aluminium verbaut, gilt ein engerer Bereich bis 9,0, weil Aluminium bei höheren pH-Werten selbst angegriffen wird. Für die Gesamthärte gibt es keinen einzelnen Wert, sondern eine Staffel: Je größer die Anlage und je mehr Wasser sie pro Kilowatt Heizleistung enthält, desto weniger Härte ist zulässig. Bei kleinen Anlagen unter 50 Kilowatt sind bis zu 16,8 Grad deutscher Härte möglich, bei großen Anlagen sinkt der zulässige Wert bis unter 0,11 Grad.

Warum das bei Wärmepumpen besonders wichtig ist

Eine Gasheizung arbeitet mit hohen Vorlauftemperaturen und verzeiht einen Belag auf dem Wärmetauscher eine Weile, weil genug Temperaturreserve da ist. Eine Wärmepumpe hat diese Reserve nicht. Sie ist darauf ausgelegt, mit kleinen Temperaturdifferenzen zu arbeiten, jedes Zehntelgrad Verlust an der Übertragungsfläche schlägt direkt auf die Jahresarbeitszahl und damit auf die Stromrechnung durch. Dazu kommen die Plattenwärmetauscher moderner Anlagen mit ihren engen Kanälen, in denen sich Magnetit besonders leicht festsetzt. Deshalb setzen die meisten Wärmepumpenhersteller die Einhaltung der VDI 2035 inzwischen als Bedingung für ihre Gewährleistung voraus und verlangen einen dokumentierten Nachweis. Wer eine Wärmepumpe einbauen lässt und das Heizungswasser dabei nicht aufbereitet, spart am falschen Ende.

Woran Sie ein Problem erkennen

Ein sicheres Urteil erlaubt nur die Messung, es gibt aber Anzeichen, die aufhorchen lassen sollten. Der Verbrauch steigt über die Jahre, ohne dass sich am Haus oder am Heizverhalten etwas geändert hat. Einzelne Heizkörper werden oben warm und unten kalt oder gluckern. Die Anlage verliert regelmäßig Druck und muss nachgefüllt werden, wobei jedes Nachfüllen mit Leitungswasser neue Härte und neuen Sauerstoff einträgt und das Problem verstärkt. Die Umwälzpumpe blockiert häufiger oder läuft laut. Und ein sehr direktes Zeichen: Wenn beim Entlüften dunkles, trübes Wasser austritt statt klarem, ist Magnetit im Kreislauf.

Wie die Aufbereitung praktisch abläuft

Wir entnehmen zunächst eine Probe und messen Leitfähigkeit, pH-Wert und Härte, dazu erfassen wir Anlagenvolumen und Heizleistung, weil sich daraus die zulässige Härte ergibt. Liegen die Werte außerhalb, wird das Heizungswasser über eine Vollentsalzungspatrone im Kreislauf gefahren, bis die Leitfähigkeit stimmt, anschließend wird der pH-Wert stabilisiert. Das geschieht im laufenden Betrieb, Bauteile müssen dafür nicht ausgebaut werden, und bei einem Einfamilienhaus ist es in der Regel an einem Termin erledigt. Die Werte kommen ins Anlagenbuch, damit Sie im Garantiefall einen Nachweis haben. Bei jeder Folgewartung messen wir nach, denn nachgefülltes Wasser und langsam ablaufende chemische Prozesse verschieben die Werte über die Jahre wieder.

Passende Leistung

Wartung & Heizungswasser

Jährliche Wartung für Heizung, Wärmepumpe und Klimaanlage, auf Wunsch mit Heizungswasser-Aufbereitung nach VDI 2035.

Grenzwerte nach VDI 2035

Stand 27.07.2026
Elektrische Leitfähigkeit
< 100 µS/cmElektrische LeitfähigkeitBei salzarmer Fahrweise, der in der Praxis üblichen Variante.
Zulässiger pH-Wert
8,2 bis 10,0Zulässiger pH-WertMit Bauteilen aus Aluminium nur bis 9,0, sonst wird das Aluminium selbst angegriffen.
Höchste zulässige Gesamthärte
16,8 °dHHöchste zulässige GesamthärteNur bei kleinen Anlagen unter 50 kW. Mit steigender Leistung und größerem Wasservolumen sinkt der Wert bis unter 0,11 °dH.
Gültige Fassung der Richtlinie
2021-03Gültige Fassung der RichtlinieDie VDI 2035 wurde im März 2021 zuletzt überarbeitet und die Blätter zusammengeführt.

Quellen: VDI 2035, Grenzwerte im Überblick

Orientierungswerte. Maßgeblich sind die Richtlinie selbst und die Einbauvorgaben Ihres Anlagenherstellers. Die zulässige Härte hängt zusätzlich vom spezifischen Anlagenvolumen ab, deshalb messen wir vor Ort, statt zu schätzen.

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